
Kaufweg · Kasse · Themes und Apps · seit 28. Juni 2025
BFSG im Onlineshop: wo tatsächlich Umsatz verloren geht.
Der Handel ist in der Richtlinie ausdrücklich genannt, womit die rechtliche Frage kurz und die praktische lang ist. Ein Shop ist keine Website, sondern eine Kette: Suche, Filter, Varianten, Warenkorb, eine vierstufige Kasse, ein fremder Bezahlschritt, Konto und Support. An jeder dieser Stellen kann jemand, der mit Tastatur oder Screenreader arbeitet, stehen bleiben – und niemand erfährt davon.
Nichts wird im Shop installiert. Geprüft wird, was Ihre Kundinnen bekommen.
Der Kaufweg, Schritt für Schritt
Geprüft wird nicht seitenweise, sondern entlang des Weges, den eine Kundin tatsächlich nimmt. Acht Stationen, und an jeder eine wiederkehrende Barriere.
| Schritt | Typische Barriere | Was die Kundin erlebt |
|---|---|---|
| Suche und Filter | Ergebnisse aktualisieren sich ohne Ansage | Screenreader meldet nichts, die Seite wirkt eingefroren |
| Kategorieseite | Endloses Nachladen ohne Weg zum Fußbereich | Seitenzahlen und rechtliche Links unerreichbar |
| Produktseite | Galerie nur per Wischgeste bedienbar | Bilder lassen sich vor dem Kauf nicht ansehen |
| Varianten | Farb- und Größenfelder ohne Namen | Auswahl im Blindflug oder gar nicht |
| Warenkorb | Mengenänderung ohne Rückmeldung | Die Summe stimmt nicht, der Grund bleibt unklar |
| Kasse | Platzhalter statt Beschriftung, Fehler nur rot | Die Bestellung scheitert mehrfach ohne Erklärung |
| Bezahlung | Fremder Iframe mit eigener Fokusfalle | Der Vorgang lässt sich weder abschließen noch verlassen |
| Bestätigung | Erfolgsmeldung wird nicht angesagt | Es wird zweimal bezahlt oder im Support angerufen |
Sechs dieser acht Punkte sind gewöhnliche Entwicklungsarbeit: Beschriftungen, Ansagen, Fokussteuerung. Zwei betreffen einen Dienstleister, und genau die sollten Sie ihm schriftlich melden, denn Sie sind nicht der einzige Kunde, der fragt.


Vier Schichten, vier Verantwortliche
Bevor ein Befund Sinn ergibt, hilft der Blick auf den Shop so, wie der Browser ihn zusammensetzt: nicht ein Produkt, sondern vier, jedes von jemand anderem gepflegt.
Die Plattform
Liefert Grundgerüst und Kasse. Vieles davon lässt sich nicht ändern, deshalb hält die Erklärung die Einschränkung fest.
Das Theme
Ihre Entscheidung, und Ursache der meisten sichtbaren Befunde: Kontraste, Fokus, Überschriften, Galerie, Formulare.
Die Apps
Pop-ups, Bewertungen, Größenberater, Cookie-Banner, Chat. Jede bringt eigenes Markup und eigenes Fokusverhalten mit.
Eigene Anpassungen
Schnelle Ergänzungen für Kampagnen, die nie wieder entfernt wurden. Dort wohnen unbenannte Schaltflächen.
Der Bericht benennt die Schicht, denn die Behebung ist jedes Mal ein anderes Gespräch: ein Ticket, eine Einstellung, eine entfernte App oder eine dokumentierte Einschränkung.
Was in die Erklärung gehört, wenn ein Teil nicht Ihnen gehört
Diesen Absatz finden Shopbetreiber am schwierigsten, dabei ist er einfach, sobald das Prinzip klar ist: die Einschränkung beschreiben, die Alternative nennen, ein Datum angeben, falls es eines gibt. Ein Satz, der festhält, dass der Bezahlschritt von der Plattform gestellt wird, dass ein bestimmtes Verhalten dort nicht barrierefrei ist und dass Bestellungen in der Zwischenzeit telefonisch oder per E-Mail aufgegeben werden können, ist ehrlich, nützlich und genau das, was das Gesetz erwartet.
Was nicht funktioniert, ist Schweigen. Eine Erklärung, die vollständige Konformität behauptet, während die Kasse ein bekanntes Problem hat, wird in zwei Minuten widerlegt. Wie die ehrliche Fassung klingt, steht auf der Seite zur Barrierefreiheitserklärung.


Apps: die Kosten, die niemand einplant
Diese Schicht verändert sich häufiger als alle anderen und wird am seltensten geprüft.
Das App-Ökosystem ist der Grund, warum ein Shop, der im März sauber war, im Juni durchfällt. Jede Installation ist eine schnelle Entscheidung, oft im Marketing getroffen, und jede fügt Code hinzu, der auf jeder Seite läuft. Im Installationsvorgang fragt niemand, ob das Widget den Fokus korrekt behandelt oder seinen Zustand ansagt – die Antwort lautet daher meistens nein.
Zwei Gewohnheiten verhindern den größten Teil davon. Erstens: nach der Installation testen, nicht nach dem Quartal. Ein zweiminütiger Tastaturdurchgang auf der Seite, auf der die App erscheint, findet Fokusfallen sofort. Zweitens: die Zahl der Apps klein halten. Jede entfernte App ist eine Reihe von Befunden, die gar nicht erst entsteht.
Der kaufmännische Teil, unabhängig vom Gesetz
Das Argument, das im Zweifel mehr überzeugt als jede Frist.
Lassen Sie die Richtlinie einen Moment beiseite. Eine Kasse, die ohne Maus nicht bedienbar ist, scheitert bei einer größeren Gruppe als bei Menschen mit anerkannter Behinderung: bei jemandem mit gebrochenem Handgelenk, bei einer Person im Zug mit einer Hand am Haltegriff, bei älteren Kundinnen, die aus Gewohnheit mit der Tastatur arbeiten. Niemand davon beschwert sich. Sie brechen ab, und die Statistik zeigt einen abgebrochenen Warenkorb wie jeden anderen.
Barrierefreiheit ist insofern ungewöhnlich, als dieselbe Korrektur der Pflicht und der Konversion dient. Beschriftungen senken Formularfehler für alle. Angesagte Summen senken Rückfragen im Support. Sichtbarer Fokus verringert Fehlklicks. Bezahlt wird die Prüfung als Pflichtaufgabe, weil das der Termin ist, der Budgets freigibt; sichtbar wird sie meist zuerst im Trichter.


Plan für einen Shop mit drei Personen
Nichts davon setzt ein eigenes Team für Barrierefreiheit oder eine Pause in der Roadmap voraus.
Woche eins: kostenloser Scan, Beauftragung, zehn Minuten Fragen. Die Prüfung läuft, am Ende der Woche stehen Bericht und unterschriebene Erklärung, die sofort online geht und die offenen Punkte benennt. Woche zwei und drei: Ihre Entwicklerin behebt die blockierenden Punkte, in der Regel zwei bis vier, meist eine Beschriftung, ein Fokusstil, eine Ansage im Warenkorb. Parallel arbeitet die Redaktion die Inhaltsliste ab, für die niemand Code anfassen muss. Woche vier: Nachprüfung, Erklärung ohne diese Punkte neu ausgestellt.
Danach ist es Wartung. Jeden Monat wird erneut geprüft; wenn das Theme aktualisiert oder eine App installiert wird, erfahren Sie es innerhalb von Wochen. Die Kosten bleiben beim Jahrespreis, und die Arbeit bleibt im normalen Rhythmus – die einzige Variante, die in einem kleinen Team überlebt.
Fünf Befunde, die wir in fast jedem Shop finden
Keiner dieser Punkte stammt aus einer theoretischen Kriterienliste. Alle fünf tauchen in nahezu jeder ersten Prüfung eines laufenden Shops auf, unabhängig von Plattform und Budget.
Der Filter, der stumm aktualisiert. Eine Kundin wählt eine Größe, das Raster lädt neu, und nichts wird angesagt. Sehende sehen die Änderung, alle anderen warten. Die Lösung ist ein Live-Bereich mit einer kurzen Meldung, wie viele Artikel übrig bleiben, und sie kostet eine Stunde.
Das Farbfeld ohne Namen. Varianten als farbige Quadrate ohne Text. Für einen Screenreader sind das unbenannte Schaltflächen, also wird zufällig gewählt oder abgebrochen. Der Farbname als zugängliche Beschriftung kostet nichts und hilft auch allen, die Farbtöne schlecht unterscheiden.
Der abgelehnte Gutscheincode. Die Meldung erscheint klein und rot über dem Feld, ist nicht verknüpft und wird nicht angesagt. Der Code wird dreimal neu eingetippt, dann ist die Kundin weg und hält den Shop für defekt.
Das Pop-up beim Scrollen. Newsletter-Overlays übernehmen den Fokus und geben ihn nicht zurück. Das ist die häufigste blockierende Barriere, die wir finden, und sie wird fast immer vom Marketing installiert, nicht von der Entwicklung.
Die Bestätigung, die niemand hört. Die Zahlung gelingt, die Seite aktualisiert sich im Hintergrund, und der Erfolg ist ein visuelles Banner ohne Ansage. Der Support bekommt daraufhin einen Anruf, der pro Fall mehr kostet als die Korrektur.

Der Zeitgeber in der Kasse
Ein sechster Punkt verdient eine eigene Zeile, weil er unsichtbar bleibt, bis jemand ihn erlebt.
Ein Punkt, der unsichtbar bleibt, bis jemand darüber stolpert: Warenkörbe, die nach einer festen Zeit verfallen. Zehn Minuten sind für eine Kundin, die langsam tippt, Spracheingabe nutzt oder mit einem Screenreader liest, nicht großzügig. Die Richtlinie verbietet Zeitgeber nicht, sie verlangt, dass sie verlängert werden können. Eine einzige Schaltfläche, die mehr Zeit gewährt, löst das – und rettet nebenbei die sehende Kundin, die zwischendurch ans Telefon musste.
Dokumente und Medien, die Sie selbst hochgeladen haben
Die schnellsten Erfolge liegen fast immer hier, und sie brauchen keine Entwicklung.
Jeder Shop sammelt sie an: eine Größentabelle als Bild gespeichert, ein Pflegehinweis als untaggte Datei, ein Kampagnenvideo mit eingebranntem Text ohne Untertitel, eine Inhaltsstoffliste als Bildschirmfoto aus einer Lieferanten-Mail. In automatischen Berichten tauchen sie nicht auf, weil eine Maschine ein Bild sieht und weitergeht, und sie gehören zu den Befunden, die sich am schnellsten beheben lassen.
Eine Größentabelle, als HTML-Tabelle neu getippt, kostet eine Viertelstunde und beseitigt eine Barriere, die einen Kauf vollständig verhindert, wenn die Grafik nicht gesehen werden kann. Solche Punkte weisen wir getrennt aus, weil sie die schnellsten Erfolge sind und dafür niemand eine Entwicklerin braucht.
Beim Wechsel der Plattform
Ein Replatforming ist der günstigste Zeitpunkt, das richtig zu machen, und der am häufigsten vergessene. Während der Migration fasst ohnehin jemand jede Vorlage an, die Inhalte werden gesichtet, die Formulare neu gebaut: Beschriftungen, ein sichtbarer Fokusstil und eine saubere Überschriftenstruktur kosten in diesem Moment fast nichts und danach ein eigenes Projekt.
Wenn ein Wechsel in diesem Jahr ansteht, lassen Sie den alten Shop zuerst prüfen. Die Befunde werden zur Anforderungsliste für den neuen, und Sie starten mit einer Erklärung, die vom ersten Tag an stimmt, statt mit dem Vorsatz, sich später darum zu kümmern.
Wer im Unternehmen zuständig ist
In der Praxis fassen drei Bereiche dieselben Seiten an: Das Marketing installiert Apps und Kampagnenbanner, die Agentur betreut das Theme, ein Dienstleister liefert den Bezahlschritt. Solange niemand die Barrierefreiheit verantwortet, ist jede Änderung für sich unbedenklich und die Summe eine Barriere. Was funktioniert, ist eine benannte Person, die einmal im Monat das Ergebnis der Nachprüfung liest und entscheidet, was ein Ticket wird und was eine Notiz bleibt. Zehn Minuten, und die jährliche Wiederentdeckung derselben Punkte entfällt.
Ebenso wichtig ist die Aufteilung des Berichts. Die Redaktion bekommt die Hälfte, für die kein Code nötig ist: Alternativtexte, Linktexte, Überschriften, Tabellen, die als Grafik vorliegen. Die Entwicklung bekommt die technische Hälfte. Ein einziges, ungeteiltes Dokument an alle wird erfahrungsgemäß von niemandem abgearbeitet, während eine Liste mit elf Punkten an die Person, die sie umsetzen kann, tatsächlich erledigt wird.

Fragen von Shopbetreibern
Gilt das BFSG für meinen Onlineshop?
Ja, wenn Sie Verbraucherinnen und Verbrauchern in der EU Waren oder Dienstleistungen über eine Website oder App verkaufen.
Auch wenn mein Unternehmen außerhalb der EU sitzt?
Ja. Maßgeblich ist der Markt, in den Sie verkaufen, nicht der Sitz des Unternehmens.
Gibt es eine Ausnahme für kleine Shops?
Die Ausnahme für Kleinstunternehmen gilt für Dienstleistungen, nicht für Produkte, und setzt weniger als 10 Beschäftigte und höchstens 2 Millionen Euro voraus.
Welcher Teil des Shops wird geprüft?
Der gesamte Kaufweg: Suche, Filter, Kategorie, Produktseite, Varianten, Warenkorb, Kasse, Bezahlung und Bestätigung.
Warum ist die Kasse so wichtig?
Sie bündelt Formulare, Fehlerbehandlung, Zeitlimits und einen fremden Bezahlschritt. Dort entscheidet sich, ob bestellt wird.
Was ist mit dem Bezahl-Iframe?
Er gehört zu Ihrem Kaufweg. Ist er nicht bedienbar, kann Ihre Kundin nicht zahlen, und der Befund steht im Bericht.
Macht Shopify oder WooCommerce mich konform?
Keine Plattform ist für sich konform. Theme, Apps und eigene Anpassungen entscheiden über das Ergebnis.
Was ist mit Marktplätzen?
Der Verkauf über einen Marktplatz nimmt Ihnen die Pflichten für Ihren eigenen Shop nicht ab.
Sind Produktbilder ein Problem?
Nur wenn sie Informationen tragen, die sonst nirgends stehen: Größentabellen, Inhaltsstoffe, Pflegehinweise als Grafik.
Und Produktvideos?
Sie brauchen Untertitel, wenn sie Informationen transportieren, und eine Steuerung, die mit der Tastatur funktioniert.
Wie lange dauert die Prüfung?
Fünf Werktage ab vollständigem Formular.
Was veröffentlichen wir am Ende?
Eine Barrierefreiheitserklärung mit dem geprüften Stand, den offenen Punkten und den Alternativen, dazu einen Feedback-Kanal.
Was kostet es?
690 € im Jahr für die EU, 1.290 € für drei Domains und sechs Sprachen, 1.990 € inklusive UK und Kanada.
Passen Sie unser Theme an?
Nein. Wir prüfen, dokumentieren und unterschreiben; die Umsetzung übernimmt Ihre Agentur oder Ihr Team.
Was, wenn wir saisonal arbeiten?
Dann ist die monatliche Nachprüfung wichtiger, denn Kampagnenseiten und Pop-ups bringen neue Barrieren mit.
Können wir starten, bevor alles behoben ist?
Ja. Die Erklärung benennt die offenen Punkte und die Alternativen, genau das erwartet das Gesetz.
Wer unterschreibt?
Europe Services SE, Prag, IČO 03571785.
Womit fangen wir an?
Mit dem kostenlosen Scan und danach mit der Beauftragung.