Unterlagen in einem Ordner auf einem Schreibtisch

Vollständiges Beispiel, Satz für Satz erklärt

Muster einer Barrierefreiheitserklärung – und warum jeder Satz dort steht.

Die meisten veröffentlichten Erklärungen sind Kopien von Kopien: selbstbewusst, undatiert und ohne Aussage. Hier steht zuerst ein vollständiges Beispiel für einen mittelgroßen Onlineshop, danach wird es Absatz für Absatz auseinandergenommen: was jeder Teil leistet, worauf er sich im Gesetz stützt und wie ihn eine Prüferin liest. Nehmen Sie die Struktur. Nehmen Sie nicht die Worte, denn sie beschreiben eine fremde Website.

Vollständiges MusterKommentiertNach BFSGGeprüfte Fassung erhältlich
Kostenlos scannenWelche Pflichten gelten

Die Struktur ist frei verwendbar. Die geprüfte Fassung entsteht aus einem Test Ihrer Website.

Das Muster im Wortlaut

Lesen Sie es einmal so, wie eine Kundin es lesen würde, und danach mit den Anmerkungen weiter unten.

Erklärung zur Barrierefreiheit für shop.beispiel.de

Diese Erklärung gilt für den Onlineshop unter shop.beispiel.de, betrieben von der Beispiel Handels GmbH. Letzte Überprüfung: 12. März 2026.

Wir möchten, dass alle Menschen bei uns stöbern, bestellen und Hilfe bekommen können, auch wenn sie ausschließlich mit der Tastatur arbeiten, einen Screenreader, eine Vergrößerung oder Spracheingabe verwenden.

Stand der Barrierefreiheit. Dieser Shop erfüllt die Anforderungen der WCAG 2.2 Stufe AA teilweise. Die Bewertung erfolgte durch eine externe Prüfung vom 6. bis 10. März 2026 mit automatischen Tests und manueller Prüfung mit Tastatur und Screenreadern auf Desktop und Mobilgerät. Geprüft wurden Startseite, eine Kategorieseite, eine Produktseite, der Warenkorb, der vollständige Bestellvorgang, die Kontoanlage, das Kontaktformular und die rechtlichen Seiten.

Nicht barrierefreie Inhalte. Drei Punkte sind offen. Die Bildergalerie auf Produktseiten kann nicht vollständig mit der Tastatur bedient werden; unterhalb der Galerie steht eine Textliste derselben Abbildungen bereit. Zwei Größentabellen liegen nur als Grafik vor und werden bis April 2026 durch HTML-Tabellen ersetzt. Die Datumsauswahl im Bestellvorgang wird von manchen Screenreadern in unklarer Reihenfolge angesagt; im selben Schritt kann das Datum als Text eingegeben werden.

Barriere melden. Schreiben Sie an barrierefreiheit@beispiel.de und nennen Sie die Seite, was Sie tun wollten und was passiert ist. Wir antworten innerhalb von fünf Werktagen und teilen mit, was wir wann ändern.

Durchsetzung. Sind Sie mit unserer Antwort nicht zufrieden, können Sie sich an die zuständige Marktüberwachungsstelle wenden.

Erstellung dieser Erklärung. Erstellt am 12. März 2026 durch die Europe Services SE nach externer Prüfung. Die Erklärung wird monatlich überprüft und bei Änderungen neu ausgestellt.

Unterschrift auf einem Dokument
Eine Seite, sieben Absätze, kein Zitat aus der Norm.
Fingerkuppen auf einer Braille-Seite
Geschrieben für die Person, die darauf angewiesen ist.

Satz für Satz

Jede Zeile im Muster erfüllt eine Funktion. Fällt eine weg, fehlt dem Dokument etwas, das jemand erwartet.

Zeile im MusterWas sie leistetWarum sie dort steht
Nennt Adresse und BetreiberLegt den Geltungsbereich festEine Erklärung über „unsere Websites“ erfasst keine davon genau
Gibt ein Prüfdatum anMacht die Aussage überprüfbarUndatiert wird als veraltet gelesen
Nennt die Techniken der NutzerinnenSetzt den RahmenZeigt, dass an reale Nutzung gedacht wurde
Sagt „teilweise“Benennt die ehrliche StufeGlaubwürdig und haltbar, falls später eine Barriere auftaucht
Nennt Daten, Methode, SeitenMacht aus Behauptung NachweisDas ist der Teil, den eine Behörde zuerst prüft
Nennt drei offene PunkteOffenlegungDas Gesetz verlangt die nicht barrierefreien Teile
Nennt je eine AlternativeGibt einen WegEine offene Barriere mit Umweg ist eine beherrschte Lage
Nennt Adresse und AntwortzeitFeedback-MechanismusPflicht, und das Erste, was eine Beschwerdeführerin testet
Nennt die DurchsetzungsstelleEskalationswegIm europäischen Modell erwartet
Nennt Ersteller und RhythmusVerantwortungExterne Erstellung wiegt schwerer als Selbstauskunft

Vier Umformulierungen, die eine schwache Erklärung stark machen

Wenn Sie bereits eine Erklärung veröffentlicht haben, genügen meist vier Änderungen, um sie belastbar zu machen.

Von „Wir sind um Barrierefreiheit bemüht“ zu „Dieser Shop erfüllt WCAG 2.2 AA teilweise, geprüft am …“. Bemühen ist ein Gefühl. Konformität ist eine Messung mit Datum.

Von „Bei Problemen wenden Sie sich an uns“ zu „Schreiben Sie an diese Adresse, wir antworten in fünf Werktagen“. Der erste Satz ist Dekoration, der zweite ein Mechanismus.

Vom Schweigen über Probleme zu drei benannten Punkten mit Alternativen. Schweigen wird als Perfektion oder als Unkenntnis gelesen, und Perfektion glaubt niemand.

Von „wird regelmäßig überprüft“ zu „wird monatlich überprüft, zuletzt neu ausgestellt am …“. Regelmäßig heißt nie. Ein Datum heißt, jemand ist zuständig.

Detail eines Aktenordners
Überprüfbar schlägt selbstbewusst.
Geprägtes Braille-Blatt
Vier Sätze entscheiden über die Wirkung des ganzen Dokuments.

Was nach der Veröffentlichung schiefgeht

Der Text ist fertig, und genau hier beginnt das Problem, das die meisten Unternehmen unterschätzen.

Eine Erklärung stimmt am Tag ihrer Veröffentlichung und beginnt sofort zu altern. Das Theme wird aktualisiert, ein neuer Zahlungsanbieter bringt einen Iframe mit, das Marketing baut ein Pop-up ein, und das Dokument beschreibt weiterhin den März. Drei Monate später ist es nicht bloß veraltet, sondern eine veröffentlichte Aussage, die nicht mehr zur Dienstleistung passt – eine schlechtere Lage als gar nichts geschrieben zu haben.

Dagegen hilft entweder eine Person mit einer festen Wiedervorlage, die vierteljährlich die ganze Website erneut prüft, was in Organisationen mit eigenem Team funktioniert und sonst nirgends, oder eine automatische monatliche Prüfung, die das Dokument neu ausstellt, sobald sich das Ergebnis ändert. Wir machen das Zweite, weil es das einzige Verfahren ist, das ein volles Geschäftsjahr übersteht.

Unterzeichneter Prüfbericht
Ihre Fassung, mit Ihren Befunden, unterschrieben.
Finger auf einer Braillezeile
Jede Aussage darin stammt aus etwas, das geprüft wurde.

Vom Muster zur geprüften Fassung

Der Unterschied zwischen beiden liegt nicht im Text, sondern darin, woher die Angaben stammen.

Das Beispiel oben ist die Form. Was Sie bei einer Beauftragung erhalten, ist dieselbe Form, gefüllt mit Tatsachen über Ihre Website: die Seiten, die wir tatsächlich geöffnet haben, die assistive Technik, mit der wir gearbeitet haben, die Barrieren, die wir gefunden haben, und die Alternativen, die Sie tatsächlich anbieten. Unterzeichnet von der Europe Services SE, datiert, mit einem öffentlichen Code, den jede Person überprüfen kann.

Dazu kommen der Prüfbericht für Ihre Entwicklung, der gehostete Feedback-Kanal, die monatliche Nachprüfung und fünf Jahre Archiv. 690 € im Jahr für die EU, 1.290 € für drei Domains und sechs Sprachen, 1.990 € einschließlich Vereinigtem Königreich und Kanada. Fertig in fünf Werktagen, sieben Tage Testphase ohne Karte.

Formulierungen, die Sie besser vermeiden

Diese fünf Sätze stehen in fast jeder kopierten Erklärung und schwächen sie jeweils an genau der Stelle, an der es darauf ankommt.

„Wir arbeiten kontinuierlich an der Verbesserung.“ Ohne Termin und ohne benannten Punkt ist das eine Absichtserklärung. Ersetzen Sie sie durch den konkreten Punkt und das Quartal.

„Die Website entspricht den gesetzlichen Anforderungen.“ Welche Anforderungen, welche Fassung, geprüft von wem und wann? Ein Satz ohne diese vier Angaben sagt einer Prüferin nichts.

„Sollten Sie auf Barrieren stoßen, bitten wir um Nachsicht.“ Nachsicht ist kein Mechanismus. Verlangt wird ein Weg, ein Problem zu melden, und eine Antwort darauf.

„Teile der Website sind aus technischen Gründen nicht barrierefrei.“ Welche Teile, aus welchem Grund, und was kann die Kundin in der Zwischenzeit tun? Ohne diese drei Angaben ist der Satz eine Leerstelle mit Begründungston.

Zitate aus der Norm. Eine Erklärung, die WCAG-Kriterien wiedergibt, wirkt gründlich und ist unlesbar. Die Norm steht öffentlich zur Verfügung; was fehlt, ist die Aussage über Ihre Website.

Bildschirm mit eingeschränkter Lesbarkeit
Fünf Sätze, die in fast jeder kopierten Erklärung stehen.

Sprache und Ton

Zwei Hinweise, die sich in der Praxis stärker auswirken als jede Formulierungsfrage.

Die Erklärung wird von Verbraucherinnen gelesen, nicht von Juristen, und häufig von Menschen, die gerade an einer Barriere hängen geblieben sind. Das spricht für kurze Sätze, für konkrete Begriffe statt Abkürzungen und dafür, die Alternative vor die Erklärung des Problems zu stellen: Wer nicht bestellen kann, braucht zuerst den Weg, der heute funktioniert, und erst danach die Auskunft, wann es anders wird.

Ebenso praktisch: die Erklärung selbst barrierefrei veröffentlichen. Als Seite, nicht als Grafik, mit echten Überschriften, erreichbarer Kontaktadresse und ohne PDF-Zwang. Eine Erklärung, die nur per Download erreichbar ist, widerspricht sich, bevor sie gelesen wurde.

Wenn die Erklärung geprüft wird

Ein Dokument, das niemand prüft, kann beliebig formuliert sein. Dieses hier wird geprüft, und zwar von drei Seiten.

Drei Gruppen lesen dieses Dokument, und jede achtet auf etwas anderes. Verbraucherinnen suchen den Abschnitt mit den offenen Punkten und die Adresse, an die sie schreiben können; sie merken sofort, ob die Alternative praktikabel ist oder eine Floskel. Einkäuferinnen in Ausschreibungen prüfen zuerst Datum und Prüfangabe, dann die Ehrlichkeit der Ausnahmeliste, weil eine Liste ohne Ausnahmen bei einer Erstprüfung praktisch immer auf mangelnde Tiefe hindeutet. Die Marktüberwachung fragt nach den Nachweisen hinter dem Text und nach der Antwort, die die beschwerdeführende Person bekommen hat.

Ein Dokument, das diesen drei Prüfungen standhält, sieht anders aus als eines, das nur gut klingen soll. Es ist kürzer, konkreter und enthält Angaben, die widerlegbar sind – was paradox klingt und der eigentliche Punkt ist: Nur eine widerlegbare Aussage kann überhaupt belegt werden.

Nach der Veröffentlichung: wer sie pflegt

Eine Frage, die in Übergaben regelmäßig untergeht und später teuer wird.

Legen Sie fest, wer das Dokument besitzt. Nicht die Agentur, die die Website gebaut hat, nicht die Entwicklerin, die im Sommer gegangen ist, sondern eine benannte Person im Unternehmen, die das monatliche Prüfergebnis erhält, die veränderten Zeilen liest und weitergibt, was ein Ticket wird. Zehn Minuten im Monat genügen, und es ist der Unterschied zwischen einem Dokument, das zur Website passt, und einem, das irgendwann jemand widerlegt.

Fragen zum Text

Darf ich ein Muster übernehmen?

Die Struktur ja, den Inhalt nein. Der Inhalt beschreibt eine andere Website mit anderen Barrieren und einem anderen Datum.

Wie lang sollte die Erklärung sein?

Eine Seite. Längere Texte entstehen meist dadurch, dass die Norm zitiert statt die Website beschrieben wird.

Soll ich vollständige Konformität angeben?

Nur wenn es stimmt und belegbar ist. Teilweise Konformität mit benannten Ausnahmen ist der übliche und glaubwürdige Fall.

Was ist der Unterschied zwischen vollständig und teilweise?

Vollständig heißt, alle anwendbaren Kriterien sind erfüllt. Teilweise heißt, einige nicht, und diese werden mit Grund und Alternative genannt.

Muss die Norm genannt werden?

Ja, mit Version und Stufe: WCAG 2.2 Stufe AA.

Muss stehen, wer geprüft hat?

Vorgeschrieben ist es nicht, aber Prüfer und Datum machen aus einer Behauptung einen Nachweis.

Was gehört in den Feedback-Abschnitt?

Wohin geschrieben werden soll, was angegeben werden sollte und innerhalb welcher Frist geantwortet wird.

Wo wird die Erklärung veröffentlicht?

An einer festen Adresse, verlinkt im Footer jeder Seite.

Wie oft muss sie aktualisiert werden?

Bei wesentlichen Änderungen und mindestens jährlich. Unser Tarif prüft monatlich nach.

Gilt dasselbe für eine App?

Struktur ja, technische Bezüge anders. Wenn die App eine erfasste Dienstleistung erbringt, braucht sie eine Erklärung.

Muss ich das Gesetz nennen?

Ja, das für Sie geltende: BFSG, beziehungsweise die jeweilige nationale Umsetzung.

Reicht Englisch?

Wenn Ihre Kundschaft in Deutschland sitzt, ist eine rein englische Erklärung eine schwache Antwort.

Was ist der häufigste Fehler?

Vollständige Konformität behaupten, während die Kasse eine unbenannte Schaltfläche hat.

Wozu ein Prüfcode?

Damit Kundschaft oder Behörde das Dokument überprüfen können, ohne Sie anzurufen.

Kann ich ein echtes Beispiel sehen?

Ja, auf der Website liegt ein Musterdokument mit funktionierendem Code.

Was kostet eine geprüfte Erklärung?

690 € im Jahr für die EU, 1.290 € für drei Domains und sechs Sprachen, 1.990 € inklusive UK und Kanada.

Wie schnell geht das?

Fünf Werktage ab vollständigem Formular, mit sieben Tagen Testphase ohne Karte.

Und wenn noch Barrieren offen sind?

Dann werden sie benannt, mit Alternative und Termin. Das ist zulässig und glaubwürdiger als Schweigen.