Eine Person am Laptop, Bewegungsunschärfe

BFSG · elektronischer Geschäftsverkehr

Was ein Onlineshop seit Juni 2025 schuldet

Der elektronische Geschäftsverkehr ist im Gesetz ausdrücklich genannt. Für einen Shop heißt das: der Kaufweg muss ohne Maus, mit Screenreader und bei starker Vergrößerung funktionieren, und Sie müssen erklären, wie er die Anforderungen erfüllt. Geprüft wird nicht die Startseite, sondern die Kasse.

BFSGelektronischer Geschäftsverkehr

Der Kaufweg ist der Prüfgegenstand

SchrittTypischer Mangel
Suche und FilterFilter nur per Maus bedienbar, Trefferzahl nicht angesagt
ProduktseiteVarianten als Farbfelder ohne Namen, Bilder ohne Alternativtext
WarenkorbMengenänderung ohne Rückmeldung, Entfernen nur als Symbol
KasseFehler nur in Rot, Felder ohne Beschriftung, Sitzung läuft ab
BezahlungFremder Rahmen stiehlt den Fokus, Einmalcode mit kurzer Frist
BestätigungStatusmeldung, die kein Screenreader vorliest
RechnungPDF ohne Textebene

Shopsysteme und Plugins

Shopware, Shopify, WooCommerce und die anderen liefern ein Grundgerüst, das in der Regel besser ist als das, was am Ende online steht. Die Barrieren entstehen im Theme, in Plugins für Filter, Bewertungen und Cookie-Banner, und in den Anpassungen der Agentur. Die Prüfung muss deshalb den echten Shop treffen, nicht die Demo des Herstellers.

Eine Person am Laptop, Bewegungsunschärfe
Eine Person am Laptop, Bewegungsunschärfe
Fingerkuppen lesen eine Brailleseite
Fingerkuppen lesen eine Brailleseite

Cookie-Banner und Layer

Ein Banner, das den Fokus einsperrt, blockiert den gesamten Shop, bevor er beginnt. Zwei Dinge sind zu prüfen: dass das Banner selbst mit der Tastatur vollständig bedienbar ist, und dass danach der Fokus zurück in die Seite führt. Dasselbe gilt für Chat-Widgets und für Newsletter-Overlays.

Was in die Erklärung gehört

Der Umfang, also Shop, App und die Dokumente, die Sie versenden. Die Norm, EN 301 549 mit WCAG 2.2 AA. Wie jemand mit Hilfsmitteln den Kauf abschließt. Die bekannten Einschränkungen mit Begründung. Und eine Kontaktstelle, die einen Menschen erreicht, mit der Antwortzeit, die Sie wirklich einhalten.

Kleinstunternehmen

Dienstleistende Kleinstunternehmen, weniger als 10 Beschäftigte und höchstens 2 Millionen Euro Umsatz oder Bilanzsumme, sind von den Anforderungen an Dienstleistungen ausgenommen. Wer wächst, verliert die Ausnahme, und die Nachrüstung fällt dann in die Phase, in der ohnehin alles brennt.

Eine Person am Laptop, Bewegungsunschärfe
Eine Person am Laptop, Bewegungsunschärfe
Eine Person am Laptop, Bewegungsunschärfe
Eine Person am Laptop, Bewegungsunschärfe

Was es im Alltag bringt

Ein Kaufweg, der mit der Tastatur funktioniert, funktioniert auch für Menschen mit Maus in der einen und Kind in der anderen Hand. Beschriftete Felder senken Abbrüche, angesagte Fehlermeldungen senken Support-Tickets, und größere Bedienflächen senken Fehlkäufe auf dem Telefon. Das ist der Teil, den niemand als Pflicht verkauft.

Wenn ein Relaunch geplant ist

Dann ist der richtige Zeitpunkt vor dem Relaunch, nicht danach. Anforderungen, die ins Designsystem und in die Komponentenbibliothek einfließen, kosten fast nichts; dieselben Anforderungen nach dem Launch nachzurüsten kostet einen zweiten Durchgang durch dieselben Seiten. Wer ohnehin neu baut, sollte die Prüfung in die Abnahme legen und den Nachweis mit dem Launch veröffentlichen.

Schnittstellen zu anderen Pflichten

Ein Shop trägt ohnehin Informationspflichten, Cookie-Einwilligung und Datenschutzhinweise. Die Barrierefreiheit trifft dieselben Elemente: Ein Einwilligungsbanner muss rechtlich korrekt und gleichzeitig mit der Tastatur bedienbar sein, Pflichtinformationen müssen auffindbar und vorlesbar sein. Wer diese Punkte getrennt behandelt, baut sie zweimal um.

Was sich an Zahlen ändert

Ein Kaufweg ohne Beschriftungen produziert Abbrüche, die niemand dem Thema Barrierefreiheit zuordnet, weil sie in der Statistik als normale Abbruchquote erscheinen. Nach einer Korrektur an Formularen und Fehlermeldungen bewegen sich drei Kennzahlen gleichzeitig: weniger Abbrüche in der Kasse, weniger Support-Tickets zu Bestellungen, weniger Fehlbestellungen auf dem Telefon.

Häufige Einwände, kurz beantwortet

"Unsere Kunden haben keine Behinderungen." Etwa jede vierte Person in der Union lebt mit einer Behinderung, und die meisten davon kaufen online, nur eben nicht bei Shops, in denen die Kasse nicht funktioniert.

"Wir haben ein Overlay eingebaut." Ein Skript über der Seite ändert den Code nicht, den ein Screenreader liest, und liefert keinen Nachweis.

"Das macht unsere Agentur." Gut, dann soll die Agentur den Prüfbericht liefern, mit Datum, Norm und Liste der offenen Punkte. Die Frage beantwortet sich meistens von selbst.

Wie wir einen Shop prüfen

Wir kaufen wirklich: Suche, Produkt, Warenkorb, Kasse, Bezahlung, Bestätigung, einmal mit Tastatur, einmal mit Screenreader auf dem Telefon, bei 200 und 400 Prozent Zoom. Danach die Rechnung und die Bestätigungsmail. Der Bericht sagt Ihrer Agentur, welches Plugin oder welches Theme-Element den Fehler erzeugt. Siehe die Prüfung und die Erklärung.

Fragen, die uns vor dem Kauf erreichen

Gilt das BFSG für jeden Onlineshop?

Für Shops, die an Verbraucher in der Union verkaufen. Ausgenommen sind dienstleistende Kleinstunternehmen unter 10 Beschäftigten und bis 2 Millionen Euro.

Reicht ein barrierefreies Theme?

Nein. Entscheidend ist der Shop, der online steht, mit Plugins, Anpassungen und Zahlungsanbindung.

Was ist mit dem Cookie-Banner?

Es ist Teil des Dienstes. Ein Banner, das den Fokus einsperrt, blockiert den gesamten Kaufweg.

Müssen Rechnungen barrierefrei sein?

Sie sind Teil des Dienstes. Ein PDF ohne Textebene ist für Screenreader nicht lesbar.

Wir verkaufen nur über einen Marktplatz. Sind wir raus?

Nein. Sie bleiben für Ihren eigenen Dienst verantwortlich, und der Marktplatz gibt seine Anforderungen über die Verkäuferbedingungen weiter.

Wie oft muss nachgetestet werden?

Nach jeder wesentlichen Änderung. Wir testen monatlich, weil Releases die häufigste Ursache für neue Barrieren sind.

Brauchen wir die Erklärung auch für die App?

Der Umfang muss die App nennen, geprüft nach Kapitel 11 der EN 301 549.

Was kostet die Prüfung eines Shops?

Der EU-Plan beginnt bei 690 Euro im Jahr für eine Domain und zwei Sprachen; mehrere Domains und Sprachen stehen im Plan EU Plus.

Wie lange dauert es?

Fünf Werktage ab Ihren Angaben zum Umfang.

Beheben Sie die Fehler auch?

Auf Wunsch ja, mit einem eigenen Angebot auf Basis der tatsächlichen Arbeit.

Den Kaufweg prüfen lassen, nicht die Startseite

Ein echter Kauf mit Tastatur und Screenreader, daraus die Erklärung und ein Nachweis mit öffentlichem Code.

Preise ansehen